Celina Interview

"Es gibt viele Momente, die ich nie vergessen werde."

Celina Interview

Die in Berlin-Charlottenburg geborene Celina Bostic ist eine der begabtesten deutschen Soul-Sängerinnen und Songwriterinnen. Schon durch Ihren Vater, eienm Jazzbassisten, bekam sie früh einen Zugang zur Musik. Neben Backgroundsängerin-Aktivitäten für Farin Urlaub, Udo Lindenberg oder Max Herre, war sie unter anderem auch die Frontfrau der Band Sedoussa. Anschließend begann sie eine Solokarriere, wobei sie mit DJ Ilan und Steve van Velvet an ihrem Debütalbum "Das Original" arbeitete. Momentan ist sie Sängerin mit Gitarre unterwegs in ganz Duetschland und arbeitet an ihrem neuen Album. Bei einem Live-Konzert im Münchener Vice Club konnten wir uns von ihren Fähigkeiten überzeugen lassen und baten sie zum Interview!

celina_01Hi Celina, Willkommen bei Fastlife.de! Erzähl uns etwas über Deine Inspirationen zum Musik machen und Deine ersten Schritte im Musikbusiness.

Celina: Hallöchen! Meine ersten Schritte als Musikerin habe ich in meiner ersten Band „Sedoussa“ gemacht. Wir haben im Proberaum unsere Lieblingssongs von D’Angelo und Erikah Badu gespielt und irgendwann, angespornt duch den Popularkurs–Workshop in Hamburg, angefangen, eigene Lieder zu schreiben. Inspirieren lassen habe ich mich immer von eigenen Erlebnissen und starken Emotionen. Mittlerweile habe ich aber auch gelernt, einfach wacher durch die Welt zu gehen und in alltäglichen Dingen das Besondere zu sehen und darüber zu schreiben. Damit ich nicht nur ich-bin-traurig-und-einsam-Lieder schreibe...

 

Was kann Du im Nachhinein über die Zusammenarbeit mit DJ Ilan sagen. Arbeitest Du grundsätzlich gerne mit nur einem oder wenigen Produzenten an einem Album?

Celina: Ich finde Ilan, Steve van Velvet und ich haben ein tolles Popalbum abgeliefert. Schade, dass es nicht den Anklang fand, den wir uns erhofft haben. Aber im Nachhinein alles nicht so schlimm. Ich musste mich musikalisch auch erstmal ein paar Jahre ausprobieren, mit verschiedenen Musikrichtungen herumexperimentieren, ehe ich meine Handschrift gefunden habe. Ich bin total glücklich mit der Musik, die ich jetzt mache, mit meiner Gitarre, meinen Texten. Es kommt schon alles so, wie es kommen muss. Zurzeit bin ich noch am überlegen, ob ich mit einem Produzenten oder mehreren arbeiten möchte. Da ich meine neuen Songs mehr oder weniger im Alleingang geschrieben habe, muss ich mich erstmal an den Gedanken gewöhnen, auch manche Dinge in andere Hände zu geben. Als Künstler würde man ja gerne Alles machen (lachend). Ich weiss aber, dass das Ergebnis nur dann zu meiner Zufriedenheit sein wird, wenn ich mir Menschen ins Boot hole, die die besten in ihrem Fach sind und von denen ich Feedback bekomme und lernen kann- z.B. gute Produzenten.

 

celina_02Du hast schon mit bekannten Künstlern wie Udo Lindenberg, Die Ärzte, Bushido oder K.I.Z zusammengearbeitet. Was war Deine Lieblingskollabo bisher? Mit wem würdest Du denn gerne in Zukunft noch zusammen arbeiten?

Celina: Ich habe mit so vielen tollen Menschen zusammengearbeitet, dass ich gar nicht sagen kann, welches mir jetzt am besten gefallen hat. Es gibt allerdings Momente, die ich nie vergessen werde – als mich Max Herre anrief und fragte, ob ich mit ihm auf Tour gehen wolle (ich als riesen FK Fan) oder als mich Farin Urlaub fragte, ob ich ein Duett mit ihm singen wolle fürs Ärzte Album. Das sind einfach Leute, die ich von Kindesbeinen an bewundert und abgefeiert habe und mit denen ich jetzt zusammenarbeiten durfte. Ich war hin und weg! In Zukunft sitzt die Latte für Kollabos da natürlich ziemlich hoch. Wer mir jetzt spontan einfällt wäre Chris Martin – der Sänger von Coldplay. Oder der neue Künstler „Das gezeichnete Ich“ – ganz toller Typ – checkt ihn aus!

 

Kannst Du uns Deine momentane Label-Situation schildern? Soweit wir in wissen, bist Du ja nicht mehr bei Four Music oder?

Celina: Ich bin zurzeit labellos. Das ist auch in Ordnung so. Dadurch habe ich keinen Zeitdruck von aussen – der Druck, den ich mir selber mache reicht aus – und kann mich in Ruhe ausprobieren.

 

Wie ist das Projekt mit Mäckes im Nachhinein gelaufen? Es ist ja auf den ersten Blick ziemlich ungewöhnlich, dass man mit seinem Ex-Freund eine ganze Platte aufnimmt?

Celina: Ehrlich gesagt habe ich das Ergebnis unseres Albums gar nicht mehr mitverfolgt. Hin und wieder kommen Leute auf  Konzerten auf mich zu und sagen mir, wie toll sie „Kunst über Vernunft“ immer noch finden, oder schreiben mir auf Myspace. Das rührt mich total! Das Album war ja eigentlich nichts, was wir für die Aussenwelt gemacht haben, oder mit dem Hinblick auf grossen Erfolg. Es war etwas, was wir für unser Seelenheil rausgebracht haben, weil wir diese besonderen Lieder nicht verstauben lassen wollten. Wahrscheinlich war dieses Intime grade das, was die Menschen neugierig gemacht hat. Schön, dass es so positiv angenommen wurde! Mäckes ist auf jeden Fall ein ganz toller Mensch und ich bin froh, dass wir noch befreundet sind.

 

Wie würdest Du Deinen Stil beschreiben? Bist Du allgemein eher Sängerin oder eher Songwriterin?

Celina: Hm. Ich würde meinen Stil als Liedermacher Soul bezeichnen. Liedermacher ist ja das gleiche wie Singer Songwriter – ich versuche nur diese lästigen Anglizismen zu vermeiden. Wobei man Soul nicht wirklich mit Seele übersetzen kann... hach – ich schweife ab... Sängerin und Songschreiberin sind in meinem Fall nicht auseinanderzuhalten. Bin beides.

 

Du wohnst ja in Berlin, bist auch gebürtige Berlinerin, hast aber in Deiner Musikkarriere schon einige Städte gesehen. Was war besonders eindrucksvoll für Dich, wo gibt es die besten Partys und interessantesten Menschen?

Celina: Was Clubs angeht bin ich nicht so bewandert, muss ich gestehen. Ich war allerdings letztens in München im Skyline und habe dort feinsten Proleten Hip Hop und RnB auf die Ohren bekommen – genau meen Ding! Die besten Parties sind aber meistens dort, wo man sie am wenigsten erwartet – in der Hotellobby, wo wir einfach unsere Laptops und Miniboxen hinschleppten, oder im Tourbus... etc. Die nettesten Menschen habe ich bis jetzt in Köln erlebt, meine Lieblingsstadt im deutschsprachigen Raum ist ohne lange zu überlegen – Wien – mit seinen atemberaubenden Gebäuden, dem Naschmarkt und den tollen Museen, obwohl ich normalerweise überhaupt kein Museumsfan bin! Oder nee Zürich! Oder beide.

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Was ist für Dich typisch Münchnerisch und wie nimmst Du persönlich München wahr?

Celina: Typisch München: Weisswürschtl und Biergärten, der englische Garten, viel Geld. In der Vergangenheit habe ich weniger schöne Erlebnisse hier gehabt – aufgrund meiner Hautfarbe. Kann einem aber überall passieren, denke ich. War in diesem Jahr öfter dort und habe meine Vorurteile abgebaut. Es gibt wirklich schöne alternative Gegenden, abseits des totalen Schicki Micki, nette Cafès, nette Menschen (hallo Frank und Anna-Lena!) und vor allem viel Grün!

 

Wie siehst Du das Thema Integration in Deutschland. Sind wir auf dem richtigen Weg oder muss noch einiges getan werden?

Celina: Hm... ich finde, dass da noch einiges passieren könnte. Ich bin nicht wirklich auf dem neusten Stand, was grade politisch in der Hinsicht getan wird – ich kann nur von meinen persönlichen Erfahrungen reden. Ich bin in Deutschland geboren und aufgewachsen, habe einen deutschen Ausweis usw und werde trotzdem gefragt, wo ich denn herkomme, oder dass ich sehr gut deutsch spreche. Solche Aussagen implizieren ja, dass ich in deren Augen nicht aus Deutschland kommen kann und das nervt mich. Menschen sollten mehr Feingefühl und Bewusstsein dafür entwickeln und lernen „richtig“ zu fragen. Das klingt vielleicht kleinkarriert, aber für mich macht es einen grossen Unterscheid, ob jemand fragt, wo ich herkomme oder ob er fragt, wo meine Eltern herkommen. Das sind Kleinigkeiten, die aber einen grossen Unterschied machen. Wenn ich mich von einer Gesellschaft nicht akzeptiert fühle, warum soll ich mich dann intergrieren? Ein sehr gutes Buch zu diesem Thema (zwar auf englisch und auf die USA bezogen aber gut auf andere Länder übertragbar) ist von Beverly Tatum und heisst „Why Are All the Black Kids Sitting Together in the Cafeteria?“ Letztens habe ich mich mit einem Freund über dieses Thema unterhalten der kürzlich in Rio war. Mit strahlenden Augen hat er mir erzählt, was für Menschen unterschiedlichster Herkunft und Hautfarbe er dort  kennen gelernt hat. Und er meinte, jeden den er fragte – ob schwarz ob weiss, ob seit 5 Jahren in Brasilien oder schon immer – alle sagten, sie seien Brasilianer. Das fand ich irgendwie schön.

 

Wo siehst Du dich in 10 Jahren? Hast Du konkrete Zukunftspläne?

Celina: Konkreter Zukunftsplan ist natürlich weiter Lieder auf Gitarre zu schreiben und mein Album zu produzieren. In 10 Jahren bin ich immer noch glücklich und gesund, spiele mit meiner Gitarre auf den Bühnen dieser Welt (der Waldbühne in Berlin zum Beispiel (lachend)) und habe ein Ferienhaus in den Bergen mit Blick aufs Meer - mit meinem Traummann und zwei Kindern. Ist doch machbar denk ich!

 

Zum Schluss eine kurzes Brainstorming:

Deutscher HipHop: K.I.Z!

Ryan Leslie: der Name sagt mir was...

Bo$$ Bitch Berlin: Geile Olle. Hat mir letztens erzählt sie zieht sich raus ausm Business und hat sich Greenpeace angeschlossen um die Wale dieser Welt zu retten.

 

Die letzten Worte gehören Dir…

Celina: Alles Stricher ausser Papa! Ach so – und geht doch mal auf meine Seite celinabostic.de – wenn ihr lustig seid!

 

Diskographie

  • 2004: Eins eins zwo (Single; bei Sedoussa)
  • 2004: Sedoussa (bei Sedoussa)
  • 2005: Zicken (Single; bei Sedoussa)
  • 2007: Lösch meine Nummer (Single)
  • 2007: Das Original
  • 2008: Kunst über Vernunft (Featuringalbum mit Maeckes)


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