Chris Montana

"Silvester in Brasilien mit 15.000 Leuten am Strand - Gänsehaut pur - das bleibt einem schon im Gedächtnis."

Chris Montana Interview

chris-montana-05

Chris Montana ist schon seit den frühen 90er Jahren in zahlreichen Clubs tätig und einer der gefragtesten House DJ’s in Deutschland der auch schon international einen gewissen Bekanntheitsgrad erreichen konnte. Der gebürtige Ulmer residiert des Öfteren im 8 Seasons in München, hat aber auch viele internationale Booking-Anfragen. Daneben bringt er auch eigene Platten raus und hat sein eigenes Label „S2G“. Fastlife konnte mit Chris Montana ein äußerst aufschlussreiches Interview über seine Karriere, seine Projekte und über die digitale Zukunft der Musik führen!


Du lebst in Ulm, hast aber Gigs in der ganzen Welt. Dies ist ein gewisser Kontrast, wie passt das zusammen und wie regelst Du alles?

Chris Montana: Ja mittlerweile ist die Welt schon so zusammengewachsen und man kann fast alles vom Home-Office aus erledigen und alle Kontakte managen. Ich habe auch mein Studio daheim und somit ist alles vorhanden. Bis vor einem Jahr war ich auch noch in München ansäßig und hatte auch ein Studio mit Thomas Gold zusammen, aber er ist dann nach Berlin gezogen und ich bin ja ein alter Ulmer, daher bin ich zurück nach Ulm gezogen und habe mir eine Wohnung dort gekauft. Mich zieht es halt immer zurück, denn da bin ich aufgewachsen, meine Freundin lebt dort und letztendlich ist es für mich egal, wo ich arbeite und mein Office habe, hauptsache es ist irgendwie nah zu bestimmten Flughäfen, wie München, Frankfurt oder Stuttgart. Also ist es praktisch egal von wo aus ich agiere. Unter der Woche bin ich in Ulm und am Wochenende setze ich mich ins Auto oder in den Zug und fahre zum Flughafen um zu meinen Gigs zu fliegen. Es ist mittlerweile so, je mehr ich reise und in Großstädten wie Moskau und Miami bin, desto eher freue ich mich auf den Ruhepol in Ulm. Es ist zwar alles wunderschön und mir gefällt es auch wunderbar in anderen Städten, aber es ist immer alles sehr schnell, stressig und gehetzt.

 

chris-montana-03Wie würdest Du Deinen Sound kurz und prägnant beschreiben?

Chris Montana: Also ich mag es schon sehr Housig, mit leichten Progressiv-Anleihen. Ich bin einfach ein alter "Houser". Auf der Minimal-Welle bin ich nicht mitgeritten vor 1-2 Jahren und ich mag auch keine Tech-House Geschichten.

 

Du bist auch Deinem Stil immer treu geblieben über die Jahre?

Chris Montana: Ja genau, so würde ich das auch sehen. Ich bin auf jeden Fall keiner der sich von den aktuellen Trends immer wieder einnehmen lässt.

 

Du hast insgesamt eine Muster-Karriere hingelegt: Zuerst Residentjobs, dann lokale und schließlich internationale Gigs. Daneben dann eigene Releases und Dein eigenes Musik-Label. Was rätst Du Bedroom-DJs für ihren Karriereschub? Gibt es sowas wie den perfekten Weg überhaupt?

Chris Montana: Meine Erfahrung zeigt, dass bestimmte Eckpunkte ganz generell gesehen wichtig sind, unabhängig von der Art des Jobs. Du musst zum einen zuverlässig sein, du musst Deinen Job mit Herzblut und Leidenschaft machen und man muss sich ein Netzwerk aufbauen. Denn durch ein Netzwerk wird alles einfacher. Ob das jetzt auf lokaler, nationaler oder internationaler Ebene geschieht ist letztendlich egal. Vor allem, wenn man gerade anfängt aufzulegen ist es wichtig ein "socializing Typ" zu sein, der die Leute kennen lernen kann. Beim internationalen Netzwerk ist es natürlich schwieriger, überhaupt eins aufzubauen. Bei mir war es so, dass ich auf verschiedenen Gigs immer wieder irgendwen Neues kennengelernt habe und dran geblieben bin. Man muss den Kontakt immer Aufrecht erhalten und es ist sozusagen aktive Arbeit, das Networking. International angefangen hat es bei mir in Ibiza in den 90er Jahren, da ich dort immer im Urlaub war und zufällig den Besitzer vom "El Divino" kennengelernt habe. So kam es dann auch Zustande, dass ich dort aufgelegt habe und praktisch den Grundstein legen konnte, das war 2001. Danach habe ich auch angefangen zu produzieren und irgendwann kennst Du die Leute durch die Produktionen. Dieses Jahr bin ich auch in Ibiza, allerdings ist das "El Divino" an das Pacha verkauft worden. Es steht noch nicht fest, was genau daraus wird, denn die einen sagen es wird ein kleines Pacha, die anderen meinen es wird ein Highclass Fitness-Studio. Mal schauen, ich bin auch gespannt. Ich bin aber trotzdem da, denn ich werde eine CD-Präsentation machen von meiner neuen Produktion namens "Pura Vida" machen, die Anfang Juni rauskommt. Eine Freundin von mir hat ein Restaurant und eine Bar und dort präsentiere ich das praktisch. Zu 99 % lege ich auch im Pacha auf, weil ich bei Erick Morillo im August eine Platte rausbringe.

 

chris-montana-01

 

Noch kurz zu Dir persönlich. Du hast während deiner Residency im Myers in Ulm Geographie und Sport auf Lehramt und Journalismus studiert. Wie muss man sich das vorstellen, als du dich gegen einen Job als Lehrer und für das DJing entschieden hast? Alles richtig gemacht soweit?

Chris Montana: Ja bis jetzt habe ich alles richtig gemacht. Aber ich bereue auch in keinster Weise, dass ich einen Abschluss gemacht und studiert habe. Mir war immer wichtig, dass ich einen Abschluss habe, so als Art doppelter Boden. Denn das gibt mir die Sicherheit, dass ich agieren und meine Musikkarriere vorantreiben kann. Und falls es halt nicht funktionieren sollte, besteht immer die Möglichkeit einen Job zu finden, auch wenn es kompliziert werden würde. Es ist meiner Ansicht nach heutzutage auch gefährlich sich nur auf ein Standbein zu verlassen. Es gibt viele, die sind Anfang 20, irgendwelche Local Heroes, die ganz gutes Geld verdienen, aber man muss wissen: Musik ist wahnsinnig schnelllebig.

chris-montana-03

 

Als Sportlehrer muss man ja auch sportlich sein. Was sind so Deine Sportarten, was hast Du so gemacht?

Chris Montana: Ich hatte vier Ballsportarten als Pflicht, das war Handball, Volleyball, Fußball und Basketball. Und ich habe jahrelang aktiv Volleyball gespielt und mach Leichtatlethik und Krafttraining. Es ist mir auch wichtig, denn es gibt viele Phasen bei denen man einfach mal einen Ausgleich braucht und da ist Sport immer sehr hilfreich! Vor allem wenn man viel reist, muss man einfach fit sein.

 

Du kommst gerade aus Miami von der WMC 2010, was hattest du für Eindrücke und wo hast du überall aufgelegt?

Christ Montana: Ich hatte sechs Gigs gehabt und die Hälfte davon war eher durchschnittlich. Es gibt dort sehr viele Veranstaltungen, ein paar sehr gute, aber auch ein paar wo gar nichts los ist. Richtig cool war es, als wir mit meinem eigenen Label (S2G) und mit meiner Booking-Agentur (Haiti Groove) und ca. 100 anderen mit einer Yacht entlang Miami Beach gefahren sind. Auf den Beatport Partys ist es natürlich auch immer interessant, weil man dort neue DJs hört und das was gerade angesagt ist wie z.B. Riva Starr oder die Swedish House Mafia. Was mir momentan nicht so gefällt ist der Dirty Dutch Style der ja in Amerika gerade ziemlich gehypt wird.

 

Also hast du dich dort auch mal umgehört?

Chris Montana: Ja klar und was ein bisschen enttäuschend war, dass ich dieses mal keinen upcoming Sommerhit-Knaller 2010 gehört habe. Die Jahre vorher hat sich das ja immer so ein bisschen herauskristallisiert, aber das war diesmal leider nicht so.

 

Was wäre denn dein persönlicher, potenzieller Sommerhit für 2010?

Chris Montana: Es gibt da 'ne sehr tolle Nummer von Avicii aus Schweden, der ist erst 20 Jahre alt aber ein brutales Produktionstalent. Der hat schon so einige Sachen produziert und unter anderem auch ein Ding namens Bromance. Das Teil ist zwar nicht für Clubs gedacht aber so richtig Anthem-mäßig für 10.000 Leute Hands up!

 

Was machst du normalerweise unter der Woche wenn du keine Bookings hast?

Chris Montana: Dadurch dass ich produziere und noch ein eigenes Label am Start hab, gibt es erstmal unheimlich viel administrative Arbeit zu erledigen. Das ist täglich von Montag-Donnerstag auch schon sehr strukturiert mit - 9 Uhr aufstehen - E-Mails checken - Sport - Labelarbeit - Produktion - und am Freitag geht's dann meistens auch schon wieder los.

chris-montana-06

 

Du bist ja schon viel rumgekommen, gibt es da ein Highlight in deiner Karriere, dass dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

Chris Montana: Es gab schon so einige Highlights, aber etwas ganz Besonderes für mich war, als ich auf der Eröffnungsparty vom El Divino in 2001 auf Ibiza aufgelegt hab. Das war mein erster internationaler großer Gig und ich war so auf Endorphinen und in Ekstase...das war einfach der Wahnsinn. Ich bin auch sehr oft in Brasilien und hab dort auf tollen Partys zusammen mit DJs wie Erick Morillo gefeiert - z.B. Silvester mit 15.000 Leuten am Strand - Gänsehaut pur - das bleibt einem schon im Gedächtnis.

chris-montana-07Kleines Stichwort-Brainstorming:

Vinyl vs. Digital

Chris Montana: Ich bin eigentlich ein riesen Vinyl-Fan und hab ca. 10.000 Platten daheim und da ich jetzt umziehe, werde ich ca. 5.000 Platten aussortieren. Digital ist ganz klar die Zukunft, selbst die DJs die heute scheinbar mit Platten auflegen, spielen alle MP3s mit Final Scratch oder Serato. MP3/Digital ist auch in Sachen Promo und Latenz wesentlich schneller als Vinyl...da führt heutzutage kein Weg dran vorbei.

Bürojob

Chris Montana: Grundsätzlich nichts negatives, aber für mich zu langweilig.

Drogen?

Chris Montana: Ne, für mich keine Drogen!

...also jetzt im Allgemeinen...

Chris Montana: (lacht) Ich weiß was du meinst. Drogen gehören zum Nachtleben irgendwie dazu, man sollte das Zeug nicht verteufeln. Ich persönlich habe meine Erfahrungen vor ca. 15 Jahren gemacht aber mittlerweile brauch ich das nicht mehr - Musik ist die Droge.

Internet?

Chris Montana: Halte ich für eine tolle Errungenschaft. Ohne geht's nicht.

Typisch münchnerisch?

Chris Montana: Man muss schon sagen dass die Münchner sehr eigen und eigentlich als versnobt verschrien sind. Allerdings habe ich durchwegs positive Erfahrungen hier gemacht und gemerkt dass sie Bock haben zu feiern. Also mir macht's hier wahnsinnig viel Spaß in München.

Oktoberfest?

Chris Montana: Muss ich dieses Jahr mal unbedingt hin (lacht). Ich war ja schon öfters zu der Zeit hier, allerdings spiele ich da am Abend immer im 8 Seasons und wenn ich da Nachmittags schon im Zelt hackedicht bin und dann noch bis morgens um 5 im Laden stehe....da siegt dann meistens doch die Vernunft.

Fußball WM?

Chris Montana: Deutschland im Finale!

...und der FCB?

Chris Montana: Ich schau nicht jedes Spiel an, aber ich bin riesen Bayern Fan. Mein Vater ist Bayer, von daher wurde mir das in die Wiege gelegt.

 

Abschlussfrage:
Wie sieht deine musikalische Zukunft aus? Wo siehst du dich in 10 Jahren?

Chris Montana: Das werd ich oft von vielen Leuten gefragt. Ich habe keinen Masterplan für die Zukunft. Musik ist meine Leidenschaft und momentan läuft es sehr gut - alle Zeichen auf Sturm - und da werde ich die nächsten Jahre auf jeden Fall noch weitermachen. Wenn es mir irgendwann keinen Spaß mehr machen wird, werde ich vielleicht einen Gang zurückschalten oder vielleicht gehe ich auch irgendwann mal als Musikchef zurück zum Radio, das hab ich früher mal gemacht, aber Musik ist mein Leben und wird es auch für immer bleiben.

Ein tolles Schlusswort, vielen Dank  für das Interview.

Follow Us!

facebooknopixeltwitternopixelyoutube

Servas!!!