Kind L 364: Eine Lebensborn-Familiengeschichte
Kind L 364 - Eine Lebensborn-Familiengeschichte von Dorothee Schmitz-Köster
Im Februar 1938 wurde Heilwig als uneheliches Kind von Eleonore von Brüning, die bereits zwei Kinder ihres verstorbenen Mannes hatte, im Lebensborn-Heim in Steinhöring bei München geboren.In diesem Heim wurde der Reichsführer Himmler bei einer Inspektion auf Mutter und Kind aufmerksam und durch seine Vermittlung lernte Eleonore den Obergruppenführer und Waffen SS General Oswald Pohl kennen. Dieser heiratete sie 1942 und adoptierte Heilwig. Sie lebten zunächst in Brünings-Au im Chiemgau und später bis zum Ende des Krieges in Comthurey im Osten Deutschlands. Durch den Arbeitseinsatz von KZ-Häftlingen, den Pohl mitbestimmte, wuchsen die Kinder inmitten der Häftlinge auf, die Haus und Hof mitbewirtschafteten. Pohl wird nach seiner Flucht und anschließender Festnahme als meistgesuchter Kriegsverbrecher von den Alliierten zum Tode verurteilt und 1951 in Landsberg hingerichtet. Heilfried wird nun als vermeintliche Tochter Pohls sowohl in der Schule als auch bei privaten Anlässen stark ausgegrenzt und erfährt erst jetzt die Wahrheit über ihre Adoption und Geburt.
Wer ihr leiblicher Vater ist, erfährt sie erst mit 19 Jahren, als sie schwer erkrankte. Ihre Vergangenheit aufarbeiten konnte sie jedoch erst, als sie selbst verheirat war und drei eigene Kinder bekam, die sie mit ihrer Vergangenheit konfrontierten. Dies waren sehr schmerzliche Erfahrungen, die die gesamte Familie forderten. Ihre Mutter Eleonore hatte bis zu ihrem Selbstmord nie über ihre Schuld gesprochen und sowohl ihren Mann Oswald Pohl als auch Heinrich Himmler weiterhin verehrt.
Dieses Buch ist eine gelungene und wichtige Darstellung der deutschen Kriegs- und Nachkriegsgeschichte anhand einer sehr bewegenden Familiengeschichte.
Dorothee Schmitz-Köster
Dorothee Schmitz-Köster ist eine bekannte Schriftstellerin. Das Werk erschien über den Rowohlt-Berlin Verlag, 2007.



